Brandschutzfenster wie F90 Fenster sind essenzielle Bauelemente für den vorbeugenden Brandschutz. Sie sorgen im Ernstfall dafür, dass Feuer und Rauch sich nicht ungehindert ausbreiten und geben Menschen im Gebäude wertvolle Zeit zur Flucht. Doch der Kauf solcher Fenster ist komplexer als bei herkömmlichen Modellen. In diesem Artikel erklären wir dir Schritt für Schritt, was du beim Kauf von F90 Fenstern wissen und beachten musst.
Schritt 1: Verstehe, was F90 bedeutet
F90 Fenster sind Brandschutzfenster, die für mindestens 90 Minuten einem Feuer standhalten, ohne ihre Schutzfunktion zu verlieren. Die Bezeichnung „F90“ stammt aus der DIN 4102-2 und gibt die Feuerwiderstandsdauer an. Solche Fenster verhindern für eine bestimmte Zeit die Durchdringung von Feuer, Rauch und großer Hitze – und ermöglichen so die Bildung von sicheren Brandabschnitten in Gebäuden.
Schritt 2: Prüfe, ob ein F90 Fenster erforderlich ist
F90 Fenster sind keine Standardfenster für den Wohnbau. Sie werden dort eingesetzt, wo gesetzlich vorgeschriebene Brandschutzauflagen bestehen. Beispiele:
- Flure und Treppenhäuser in Mehrfamilienhäusern
- Brandabschnittsgrenzen in Büro- oder Industriegebäuden
- Flucht- und Rettungswege
- Tiefgaragen, Technikräume oder Kellerräume
- Öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Kitas, Krankenhäuser
Die Notwendigkeit ergibt sich meist aus der Landesbauordnung oder dem Brandschutzkonzept des Bauprojekts. Im Zweifel lohnt sich die Rücksprache mit dem Architekten oder einem Brandschutzgutachter.
Schritt 3: Achte auf die richtige Klassifizierung und Norm
F90 Fenster müssen zertifiziert und geprüft sein. Wichtig ist:
- Zulassung nach DIN 4102-2 oder der europäischen Norm EN 13501-2
- Verwendung geprüfter Brandschutzgläser mit mehrfacher Sicherheitsverglasung
- Nachweis des Feuerwiderstands durch Prüfzeugnisse einer anerkannten Prüfstelle
Nur mit einer gültigen bauaufsichtlichen Zulassung ist das Fenster für den vorgeschriebenen Einsatzbereich geeignet.
Schritt 4: Wähle das passende Material
F90 Fenster bestehen nicht aus herkömmlichem Kunststoff oder Holz. Stattdessen kommen zum Einsatz:
- Stahlrahmenfenster: extrem hitzebeständig, langlebig
- Aluminiumrahmen mit Brandschutzfüllungen
- Spezielle Brandschutzverglasung mit Zwischenschichten, die bei Hitze aufschäumen
- Dichtungen, die im Brandfall aufquellen und Rauch abdichten
Je nach baulicher Situation und ästhetischen Anforderungen lässt sich das richtige System wählen.
Schritt 5: Suche einen spezialisierten Hersteller
Da F90 Fenster Sonderanfertigungen mit hohen Sicherheitsanforderungen sind, solltest du ausschließlich mit zertifizierten Fachherstellern arbeiten. Achte dabei auf:
- Erfahrung im Bereich Brandschutzfenster
- Nachweise zu Prüfungen und Zulassungen
- Maßanfertigung nach architektonischen Vorgaben
- Beratung zu ergänzenden Komponenten wie Brandschutzrollläden oder Festverglasungen
Bekannte Hersteller in Deutschland sind z. B. Schüco, Forster, Jansen oder Hörmann (für Tür-Fenster-Kombinationen). Der Beitrag auf prenzlberger-ansichten.de beleuchtet Fenster als Gestaltungselement.
Schritt 6: Fordere ein individuelles Angebot an
Die Preise für F90 Fenster können stark variieren – je nach Größe, Ausstattung und Einbauaufwand. Daher ist ein individuelles Angebot entscheidend. Achte darauf, dass folgende Punkte berücksichtigt sind:
- Fenstermaß und -form
- Rahmenmaterial
- Art der Verglasung (z. B. F90-G, F90-F)
- Zusätzliche Anforderungen wie Schallschutz oder Wärmeschutz
- Lieferung und fachgerechte Montage
Ein einzelnes F90 Fenster kostet je nach Spezifikation schnell 1.500 bis 3.000 Euro oder mehr.
Schritt 7: Plane den fachgerechten Einbau
Ein F90 Fenster funktioniert nur dann wie vorgesehen, wenn es korrekt eingebaut wird. Deshalb:
- Beauftrage einen zertifizierten Montagebetrieb
- Der Einbau muss den technischen Richtlinien des Herstellers entsprechen
- Dokumentation der Montagequalität ist oft Voraussetzung für spätere Abnahmen
Nach dem Einbau solltest du dir ein Montageprotokoll und die Prüfnachweise des Fensters geben lassen – diese sind im Brandfall auch gegenüber der Versicherung wichtig.
Schritt 8: Instandhaltung und Kontrolle nicht vergessen
Auch wenn F90 Fenster sehr langlebig sind, müssen sie regelmäßig geprüft werden:
- Sichtkontrolle der Dichtungen
- Überprüfung der Schließmechanismen
- Kontrolle auf Glasbruch oder Beschädigung
- Gegebenenfalls Austausch nach Herstellerangaben
Einige Brandschutzfenster sind wartungsfrei, andere benötigen regelmäßige Prüfungen, besonders in öffentlichen Gebäuden.
Sicherheit braucht Planung
Der Kauf eines F90 Fensters ist ein sicherheitsrelevanter Schritt und sollte mit der gleichen Sorgfalt erfolgen wie der Bau eines tragenden Bauteils. Wer die gesetzlichen Anforderungen kennt, die richtige Fensterklasse wählt, auf geprüfte Hersteller setzt und den Einbau professionell durchführen lässt, schafft ein sicheres Umfeld – im gewerblichen wie im privaten Bereich.
Ein F90 Fenster ist nicht nur ein Bauelement, sondern ein Lebensretter im Ernstfall. Die Investition in geprüfte Qualität lohnt sich – für den Schutz von Menschen, Gebäuden und Sachwerten.
